Wie würden Sie die Sozialplanung in der Stadterneuerung einem Laien erklären?

Als Mitarbeiterinnen der Sozialplanung in der Stadterneuerung sind wir in allen Sanierungsgebieten in Stuttgart tätig. Unsere Aufgabe ist es hauptsächlich sicher zu stellen, dass die soziale Komponente, also die Menschen in der Stadterneuerung, nicht vergessen werden.

 

Grundlage unserer Arbeit ist der § 180 des Baugesetzbuches. Diesen setzen wir um, indem wir darüber nachdenken was für Folgen eine Maßnahme für die Menschen, die davon betroffen sind, haben kann. Mit diesem Wissen werden Empfehlungen für die Verwaltung formuliert, damit die zu erwartenden Belastungen vermieden, bzw. abgemildert werden können.

 

Darauf aufbauend begleiten wir zum Beispiel Menschen die in Häusern wohnen, welche mit Unterstützung der Landeshauptstadt modernisiert werden. Das beginnt bei der Information der Haushalte und endet meist nach einem Umzug in eine Ersatzwohnung. Da unsere Leistungen für die Sanierungsbetroffenen freiwillig sind, ist die Intensität der Zusammenarbeit sehr unterschiedlich. Grundsätzlich sind wir für alle Aspekte zuständig, die für einen gelungenen Umzug wichtig sind. Dabei begleiten wir Betroffene anwaltschaftlich, dh. Entscheidungen werden von Mieterinnen und Mieter getroffen.

 

Des Weiteren unterstützen wir bei Antragstellung durch Leistungen nach den Richtlinien der Umzugsbeihilfe, um die finanziellen Aufwendungen eines Umzugs etwas abzumildern. Bei all unseren Leistungen steht die individuelle Situation der Betroffenen im Fokus.

 

Auch Eigentümern stehen wir mit Rat und Tat zur Seite und versuchen für alle Beteiligten eine gute Lösung zu finden.

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Steuerung der Miethöhen nach Modernisierungen. Wir achten darauf, dass die gesetzlichen Regelungen eingehalten werden und prüfen die Umsetzung nach den Modernisierungsmaßnahmen, um Mietwucher Einhalt zu gebieten.    

 

Auf welche Vorurteile oder Schwierigkeiten stoßen Sie bei Ihrer Arbeit?

Der erste Kontakt mit Mieterinnen und Mietern ist oft geprägt von Misstrauen gegenüber Amt und Verwaltung. Viele Menschen mit denen wir arbeiten haben Zukunftsängste und sind verzweifelt. In unserem Erstgespräch, das im Schnitt eine Stunde dauert, klären wir über Möglichkeiten auf, beantworten Fragen und weisen auf den Aspekt der Freiwilligkeit hin. Danach erleben wir zumeist eine Offenheit, da eine Zusammenarbeit nur zustande kommt, wenn die Mieterinnen und Mieter dies wünschen.

 

Es gibt auch immer wieder die Vorstellung das wir als Sozialplanerinnen einen Pool an Wohnungen verwalten und Häuser dementsprechend „schnell leerräumen“, um rasch modernisieren zu können. Wir freuen uns deshalb immer über Eigentümer, die realistische Vorstellungen haben, denen ihre Mieter am Herzen liegen und die ihre soziale Verantwortung ernst nehmen. Eine Modernisierung kommt schlussendlich den Mieterinnen und Mietern zugute, da sich der Wohnstandart verbessert und es grundsätzlich wichtig ist Wohngebäude zu erhalten und in einen Zustand zu versetzen, der den heutigen Anforderungen genügt.

 

Vor allem für ältere Personen oder Menschen mit besonderen Schwierigkeiten ist es jedoch schwierig adäquaten Ersatzwohnraum zu zumutbaren Bedingungen zu finden, so dass diese Hilfeprozesse viel Zeit in Anspruch nehmen. Vor allem die emotionale Belastung wird oft übersehen.

 

Eine weitere Schwierigkeit in unserer täglichen Arbeit sind Sprachbarrieren und kulturelle Hindernisse. Das Stuttgart multikulturell ist, spiegelt sich selbstverständlich auch in unserer Arbeit wieder. Wir versuchen daher Gespräche, in denen Sprachbarrieren zu erwarten sind, von Dolmetschern begleiten zu lassen. Oft ist es jedoch so, dass die Betroffenen sich ein gutes Netzwerk aufgebaut haben und in Eigeninitiative Verständigungshilfe organisieren. Dies hilft uns und ihnen.

 

Sprachbarrieren lösen jedoch auch bei potentiellen neuen Vermietern Vorurteile aus und so ist es nicht immer ganz einfach, passenden Ersatzwohnraum zu finden.

 

Wie ist die Resonanz auf Ihre Arbeit?

Wie gesagt reagieren die Sanierungsbetroffenen vor dem ersten Treffen eher skeptisch. Danach nehmen wir vor allem Dankbarkeit wahr. Es wird als sehr positiv empfunden, dass die Landeshauptstadt sich nicht nur für die Eigentümer einsetzt, sondern auch den Mietern eine Begleitung und Unterstützung zur Verfügung stellt. Unsere finanziellen Umzugsbeihilfen können zum Beispiel auf Antrag auch pauschal abgerufen werden, eine intensive Zusammenarbeit mit der Abteilung Sozialplanung in der Stadterneuerung ist nicht notwendig. So erreichen wir auch Menschen, die kein Interesse an Beratung und Begleitung haben und können die Folgen eines sanierungsbedingten Umzugs trotzdem mildern.

 

Welche Vorteile hat ihre Arbeit auf ein Sanierungsgebiet?

Bevor ein Sanierungsgebiet als solches festgeschrieben wird, gibt es eine Voruntersuchung. Die Ergebnisse werden nach möglichen Betroffenheiten durchleuchtet. Darauf aufbauend werden Überlegungen angestellt, wie diese abgemildert oder vermieden werden können. Wir entwickeln Maßnahmenpakete, deren Grundlage keine städtebaulichen Aspekte, sondern soziale Maßnahmen und Vorgaben sind. Der städtebauliche Blickwinkel der Sanierung wird durch eine soziale Sichtweise ergänzt. Dies ermöglicht eine Abwägung der Interessen.

 

Die Förderung von Modernisierungen durch die Landeshauptstadt hat sowohl für Eigentümer, als auch für Mieter Vorteile, denn die Umlage die Eigentümer nach Modernsierungen auf ihre Mieter verteilen dürfen verringert sich um die Fördersumme. Darüber hinaus können Mieter von geförderten Objekten die Leistungen der Sozialplanung voll ausschöpfen.

 

Durch die Beteiligung der Sozialplanung in der Stadterneuerung hat die Landeshauptstadt Stuttgart ein wachsames Auge auf die Einhaltungen der Vorschriften des Bürgerlichen Gesetz Buches zum Mieterschutz bei Modernisierung und kann gegebenenfalls regulierend eingreifen.

 

Kann sich einfach jeder bei Ihnen melden?

Grundsätzlich kann sich jeder bei uns melden. Telefonisch sind wir unter 216-20320 und 216-20307 die ganze Woche zu erreichen. Ob eine Leistungsberechtigung vorliegt, da die Anrufenden in einem Sanierungsgebiet leben, lässt sich relativ schnell klären. Wir treten jedoch auch an alle Mietenden aktiv heran, die in einem Haus leben das mit Unterstützung der Landeshauptstadt ertüchtigt wird. Zumeist erklären wir schriftlich wer wir sind und was unser Aufgabengebiet ist. Zudem bieten wir einen Termin für ein Erstgespräch an, mit dem Ziel, möglichst breit über unsere Leistungen zu informieren. Unser Grundsatz dabei lautet: Nur wenn man weiß, dass man Anspruch auf eine Leistung hat, kann man sie auch annehmen.

 

Was würden Sie sich hinsichtlich Ihrer Arbeit als Sozialplanung wünschen?

Bereits seit 1980 ist die Sozialplanung in der Stadterneuerung tätig. Damals konnte Betroffenen überwiegend angemessener Ersatzwohnraum im Gebiet angeboten werden. Ein sanierungsbedingter Umzug war damals zwar unbequem, aber nicht existenzbedrohend. Eine Entspannung der aktuellen Wohnungsmarktlage ist dringend notwendig und wäre eine enorme Erleichterung für alle Betroffenen.

 

Auch die Bereitstellung von Wohnraum u.a. für Sanierungsbetroffene über die Einräumung von Belegungsrechten könnte noch ausgebaut werden. Eigentümer können eine höhere Förderung erhalten, wenn Sie der Landeshauptstadt Belegungsrechte einräumen. Das Wahlrecht des Vermieters bleibt davon ausgenommen.

 

Wichtig ist auch der umfassende transparente Informationsfluss. Wir wünschen uns, dass alle Betroffenen von unseren freiwilligen Unterstützungsleistungen erfahren und entscheiden können ob Sie diese annehmen möchten oder nicht.

 

Mehr zur Sozialplanung der Stadt Stuttgart erfahren Sie hier .